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Fahrturnier des Reitercorps Angermund

auf dem Brockerhof am 02.06.2006

 

Für Pfingsten hatte ich mir vorgenommen, mit unserem neuen Pferd, dem Friesen Geat R. S., mein erstes Fahrturnier zu versuchen. In den letzten Jahren waren die Fahrprüfungen immer am Pfingstmontag, an dem auch die Spiele stattfanden, so dass ich mir schon einen genauen Ablauf für dieses Wochenende festgelegt hatte, wollte ich doch auch noch die Hundeschau in Arnheim mitnehmen, weil mir nur noch 2 Auslandsiege fehlen, dann wäre unser Hund Weltschönheitschampion…. 

Nun gut, es kam etwas anders, denn die Zeiteinteilung wurde geändert und die Prüfungen sollten nun schon Freitagabend stattfinden. Oh Gott! Wie sollte ich das meinem Chef klar machen, dass ich den Freitag dann noch Urlaub bräuchte, wo ich doch eine Woche später meinen Jahresurlaub antreten wollte?? Nach viel Überredungskunst bekam ich frei und konnte mich also in Ruhe auf den Freitagabend vorbereiten. Zuerst musste ja auch noch die Frage geklärt werden, wie kriege ich die Kutsche und das Pferd nach Angermund? Zweimal fahren war schwierig, denn dann hätten wir nur für eine Fahrt jeweils gute 3 Stunden gebraucht. Ich lieh mir also den Pferdehänger meiner alten Hofbesitzerin. Mir kam nie der Gedanke, dass die Kutsche da evtl. nicht reinpasst, weil ja in meinem Hänger nur die Sattelkammer verhinderte, dass die Kutsche dort ganz reinpasste. Da fehlten ca. 20 cm, um die Klappe komplett schließen zu können. Der geliehene Hänger war uralt und wenig vertrauenerweckend, wenn ich da ein Pferd hätte mit transportieren müssen. Für die Kutsche war er meiner Ansicht nach völlig ok. Nun kam es aber wie es kommen musste. Die Kutsche passte nicht rein. Die vordere Stange war festgeschweißt und konnte nicht rausgenommen werden, wodurch die Kutsche eben nicht passte. Was nun? Mein Pferd würde ich niemals mit diesem Hänger transportieren, das war mir zu gefährlich. Ich wurde nervös. Kurzerhand alle Bekannten gedanklich durchgegangen wer jetzt evtl. zu Hause ist und einen Hänger hat. Marion war dann meine Rettung. Sie war zu Hause und auch sofort bereit mir ihren Hänger zu leihen. Vielen, vielen Dank noch einmal dafür. Wir packten unsere Kutsche in unseren Hänger und verzurrten die Klappe mit Spanngurten. Das Pferd kam in Marions Hänger und ab ging es nach Angermund. 

Die erste Prüfung war die Dressurprüfung. Toll, ich hatte das doch schon ewig nicht mehr gemacht und war ausgerechnet 1. Starter. Wo musste noch mal der Beifahrer sitzen? Wie fährt man auf den Platz ein, wenn der Fahrplatz eine Doppelumrandung hat? Ich wurde nervös! Wen sollte ich fragen ohne mich jetzt völlig zu blamieren? 

Die anderen Gespanne fuhren noch alle ohne Beifahrer auf dem Platz rum. Dann kam die Rettung. Eine gute Bekannte von mir, die auch früher Turniere gefahren ist kam und ich löcherte sie mit den ganzen offenen Fragen. Das Problem war jetzt nur, sie hatte es auch vergessen und konnte mir die Fragen nicht beantworten. Nun blieb nur noch der Vermesser der Kutschen. Dieser kam um die Spurbreite für das Hindernisfahren abzumessen. Ich räusperte mich und fragte ganz vorsichtig. Ähm, was ich fragen wollte … Wie fahre ich denn nun auf den Platz ein, wenn der so doppelt abgezäunt ist? Wie bei den Dressurklassen M und S von außen rum und dann von oben rein? Der „Vermesser“ zog die Augenbrauen hoch und schaute mich etwas verdutzt an. Oooh, der Vermesser war der Richter *Herrgott lass die Erde aufgehen und nach mir wieder zu*! Ja, meinte er, wie sonst? Nun, ich würde jetzt zum ersten Mal starten und wüsste es eben nicht und ich wüsste auch ehrlich gesagt nicht wo der Beifahrer sitzen muss. Auch das wurde mir dann beantwortet und er grinste sich nur noch einen. Toll, jetzt wurde man auch noch belächelt. Hat ja schließlich jeder mal klein angefangen. *schmoll* Ich wurde immer nervöser und das übertrug sich auch auf mein Pferd. Geradesitzen nicht vergessen – nicht wie ein Mehlsack oder wie immer gerne auf dem Pferd mit leichter Vorneigung (ok, habe glaube ich trotzdem etwas nach vorne gehangen, aber die anderen auch und somit war das ja nicht ganz so schlimm ).

Das Startzeichen kam und ich fuhr an. Wir mussten unter einer Schranke durch an Fahnen vorbei. Geat stutzte und bremste. Ich brüllte „komm“ und er zog an und trabte auf den Platz. Wir fuhren ein, grüßten und begannen unsere Aufgabe. 

Die lange Seite an den Zuschauern vorbei war ihm nicht geheuer. Er driftete nach innen und ich fuhr in mehr als offensichtlicher Aussenstellung die lange Seite herunter. Dann kam der Zirkel und die erste Trabverstärkung durch die ganze Bahn. Der Trab war super! Dann ging es weiter. Wieder ein Zirkel und noch eine Trabverstärkung und dann … die Schrittphase. Scheeerrriitttt! Nu, geh Schritt man! Es war kein 4-Takt sondern eher ein 2/4-Takt oder Schrittgehampel. Dann das Halten. 10 Sekunden! Ich zählte. Dieter raunte irgendwann von hinten. Die 10 Sekunden sind um, geh weiter! Ok, wieder Schritt. Diesmal auch nicht besser als vorher. Leichte Schlangenlinien und Gezackel . Na egal, er ist ja noch jung und ich viel zu aufgeregt, was er ja auch merkte. Dann wieder Trab und der Rest der Aufgabe. Alles gut. Aufmarschieren, Halten und Fertig! Plumps! Ich wurde schlagartig um die 3 Zentner leichter. Schließlich war der Felsbrocken den ich vorher verschluckt hatte endlich wieder weg. Ich war fertig und hatte mich nicht verfahren. 

Dann kamen die Anmerkungen des Richters. Wie erwartet. Lange Seite in Außenstellung. Zirkelpunkte nicht immer getroffen. Schrittphase war nicht gegeben muss dran gearbeitet werden. Dann aber auch positive Aspekte. Super Trabverstärkung. Die Stärke des Pferdes. Soll auch auf keinen Fall kaputt gemacht werden wenn wir die Schrittphasen üben, etc., etc. Dann die Wertnote 6,2. Ich war sehr zufrieden. Hätte ich eine Wertnote unter 5,0 bekommen, hätte ich das Hindernisfahren nicht mehr machen dürfen, obwohl diese Prüfungen nicht zusammen gewertet wurden. Na egal! Ich hatte es geschafft und die Note war ordentlich für das erste Mal. 

Dann kamen die anderen. Auch sie machten den einen oder anderen Patzer und so waren wir am Ende alle sehr nah beieinander bei der Bewertung. Die Siegerin hatte eine WN von 6,6 und ich wurde mit meinen 6,2 noch 5. Ich war mehr als zufrieden. Ich wusste woran ich üben musste und die anderen waren schließlich alles alte Hasen und auch nicht viel besser. 

Jetzt kamen wir zum Hindernisfahren. Das hatte ich mit Geat noch nie gemacht. Wir wollten es eigentlich mal geübt haben, wenigstens das durch Pylonen fahren, aber es fehlte die Zeit und der Platz. Na egal! Rein ins kalte Wasser und sehen was er macht. Ausweichen ist ja eh quatsch, weil immer 2 Pylonen nebeneinander stehen und egal wohin er ausweichen würde, es stünde ja wieder eine da . 14 Hindernisse. Oh man, wie soll man sich das denn merken? Rechts rum, links rum, ganz rum. Durch die Start/Ziel-Linie, vor der Start/Ziel-Linie vorbei … was für ein Durcheinander. Lauter Pylonen und Tennisbälle und soooo viele Dinge die man sich merken musste. Wenn das mal gut ging. Ich ging den Parcour immer wieder in Gedanken durch und konnte mir dieses Mal auch mal ansehen wie die anderen fuhren, weil ich nicht als Erste starten musste. 

Dann war es so weit. Einfahren und los. Ich bekam noch den Tipp von einem Mitstreiter, dass man in den Hindernissen auf keinen Fall lenken darf. Die Pferde würden das dann alleine machen. In den Hindernissen kann man eh nichts mehr retten. Also los. Die ganzen Tipps und Tricks gemerkt und hoffentlich auch die Reihenfolge der Hindernisse. Hindernis 1 bis 5 war ok. Dann ging es durch die Start/Ziel-Linie zu Hindernis 6. Hindernis 6???? Wo ist es???? Ah da, oh shit zu eng. Rübergezogen, zurückgenommen! Geat geriet bei so abrupten Lenkmanövern ins schwanken. Die Zuschauer stöhnten auf, aber … wir waren durch. Nächstes Hindernis. Gar nicht spektakulär, aber … Treffer. Fehler! Enge Kurve zu Hindernis 8 und 9 und jetzt auf 10 zu. 10???? Hilfe wie war das doch gleich. Durch die Start/Ziel-Linie … oh shit. War falsch! Hätte davor rum gemusst, so stand ich fast neben dem Hindernis. Wieder abruptes Lenkmanöver. Ziemlich bott und Pferd fand das auch nicht wirklich lustig. Wieder riesiges Geschwanke und plöpp, plöpp, rumpel – einmal mitten über das Hindernis drüber . Ich bremste. Dieter raunte von hinten. Fahr weiter, bleib ruhig! Hindernis 11, meine Fassung war am Ende, die Konzentration völlig futsch. Wieder ein Fehler. Jetzt aber mal Ruhe hier! Keine Ahnung wie, aber irgendwie kamen wir bis ans Ende. Nach dem letzten Hindernis wollte ich schon bremsen, da kam von hinten wieder der Zuruf. Fahr durch’s Ziel! Ok, die paar Meter schaffen wir jetzt auch noch. Und rum und fertig! Puh! Ich zitterte. Das war zu schnell und viel zu viele Hindernisse. Das muss unbedingt geübt werden. 

Wir hatten die zweitschnellste Zeit, aber wir hatten halt jede Menge Fehler und somit waren wir am Ende noch mal 5. Egal! Hauptsache platziert und Hauptsache durch und nicht falsch gefahren. Beim nächsten Mal wird es schon besser und vielleicht haben wir bis dahin auch unseren ehemaligen Fahrlehrer überreden können mir noch mal Unterricht zu geben. 

Bei der Platzierung kam der Richter noch mal zu mir und sagte, dass das Pferd ein sehr hohes Potenzial hat und ich was aus ihm machen kann. Wir waren gut, schließlich müssen wir bedenken, dass er mit Abstand das jüngste Pferd war mit seinen 4 Jahren und wirklich gut mitgemacht hat. Wir würden auch gut zusammen passen und er würde mir vertrauen und brav machen was von ihm verlangt würde. Am Schritt müssten wir noch viel arbeiten, aber das würden wir schon hinbekommen. 

Jetzt bin ich gespannt wie unser nächstes Turnier wird. Leider haben wir den Nennungsschluss vom Rheurdter Fahrturnier verpasst, aber im nächsten Jahr wollen wir mal richtig Gas geben und alle in der Gegend angebotenen Fahrturniere mitnehmen. Vielleicht ist bis dahin auch das Transportproblem für die Kutsche gelöst und ich muss nicht immer einen zweiten Hänger leihen und dann auch noch den Hänger wieder falsch wegstellen so dass es Probleme beim wieder anhängen gibt. Nicht wahr Marion? 

Yvonne Schreiber

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